Der Pflegeprofi https://www.derpflegeprofi.de Thorulf Müller ist der Pflegeprofi Wed, 16 Mar 2016 14:56:50 +0000 de-DE hourly 1 Pflegestärkungsgesetz II 2017 https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/pflegestarkungsgesetz-ii-2017/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/pflegestarkungsgesetz-ii-2017/#comments Sat, 17 Jan 2015 18:42:17 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=366 Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz soll noch in dieser Wahlperiode der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt werden. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen einerseits und mit kognitiven und psychischen Einschränkungen (insbesondere Demenzkranke) andererseits soll dadurch wegfallen. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen. Dadurch wird die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage gestellt. Zur Finanzierung der Leistungsverbesserungen werden mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz die Beiträge zur Pflegeversicherung um weitere 0,2 Prozentpunkte angehoben.

Bereits das erste Pflegestärkungsgesetz, das am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, sieht Leistungsverbesserungen vor, die auch schon umsetzen, was mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff gewollt ist: eine bessere Berücksichtigung der individuellen Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen und einen Abbau von Unterschieden im Umgang mit körperlichen und geistigen Einschränkungen.

Fünf Pflegegrade, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden

Statt drei Pflegestufen soll es künftig fünf Pflegegrade geben, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden. Bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit soll nicht mehr zwischen körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen unterschieden werden. Ausschlaggebend dafür, ob jemand pflegebedürftig ist, wird der Grad der Selbstständigkeit sein: Was kann jemand noch alleine und wo benötigt er oder sie Unterstützung? Davon profitieren alle Pflegebedürftigen – Demenzkranke und Menschen mit körperlichen Einschränkungen – gleichermaßen. Ausgehend von der Selbstständigkeit einer Person wird das Stadium der Einschränkung in fünf Grade eingestuft, von geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (Pflegegrad 1) bis zur schwersten Beeinträchtigung, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergeht (Pflegegrad 5).

Um den Grad der Selbstständigkeit einer Person zu messen, werden Aktivitäten in sechs pflegerelevanten Bereichen untersucht. Das Verfahren berücksichtigt erstmals auch den besonderen Hilfe- und Betreuungsbedarf von Menschen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen. Bei dem neuen Begutachtungsverfahren wird nicht wie bei der bisher geltenden Methode die Zeit gemessen, die zur Pflege der jeweiligen Person durch einen Familienangehörigen oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson benötigt wird, sondern es werden Punkte vergeben, die abbilden, wie weit die Selbstständigkeit einer Person eingeschränkt ist. Anhand der Ergebnisse der Prüfung werden die Pflegebedürftigen in einen der fünf Pflegegrade eingeordnet.

Schritte vor der Einführung

Vor der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs muss sicherstellt werden, dass sich das neue Begutachtungssystem in der Praxis bewährt und die Verbesserungen auch wirklich bei den Pflegebedürftigen ankommen. Das wird seit 2014 erprobt; Ergebnisse werden im I. Quartal 2015 vorliegen und dienen als Basis für das zweite Pflegestärkungsgesetz.

Ablauf der Erprobung

Die Erprobung wird im Rahmen von zwei Modellprojekten geschehen, die durch den GKV-Spitzenverband koordiniert werden.

In einem Modellprojekt – der „Praktikabilitätsstudie zur Einführung des Neuen Begutachtungsassessments“ – wird untersucht, ob sich das neue Begutachtungsverfahren in der Praxis bewährt. Dadurch sollen durch den Expertenbeirat zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2013 vorgeschlagene Modifizierungen (z.B. bei Kinderbegutachtungen, bei besonderen Bedarfskonstellationen – Härtefällen, und bei der Klärung des Rehabilitationsbedarfs) überprüft und mögliche Probleme bei der neuen Begutachtung frühzeitig aufgedeckt werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands.

In einem weiteren Modellprojekt zur „Evaluation des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) – Erfassung von Versorgungsaufwänden in stationären Einrichtungen“ wird untersucht, welche Leistungen mit welchem Zeitaufwand für die einzelnen Pflegebedürftigen erbracht werden. Außerdem wird untersucht wie die Pflegebedürftigen nach dem neuen System eingestuft würden. Daraus ergibt sich ein Bild, wie sich heutiger Pflegeaufwand und zukünftiger Pflegegrad in der stationären Pflege zueinander verhalten. Dies sind wichtige Hinweise für die Gesetzgebungsarbeit. Mehr Informationen auch zu diesem Modellprojekt finden Sie auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands.

Mit der Umsetzung der Modellprojekte wurde bereits begonnen: zunächst werden die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung auf die neuen Regeln geschult. Anschließend werden insgesamt 4.000 Pflegebedürftige in ganz Deutschland, Erwachsene und Kinder, zu Hause und in Pflegeheimen begutachtet – und zwar nach den geltenden und den künftigen Regeln. Parallel wird durch Pflegekräfte begleitet und erfasst, welche konkreten Leistungen in Pflegeheimen mit welchem Zeitaufwand erbracht werden. Die Ergebnisse der beiden Studien werden Anfang 2015 vorliegen und können dann im Gesetzgebungsprozess zur Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs berücksichtigt werden. Begleitet wird die Arbeit an diesen beiden Studien durch ein Begleitgremium, in dem neben Vertretern des BMG, des BMFSFJ, des BMAS sowie des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, und dem GKV-Spitzenverband, weitere Institutionen aus Wissenschaft, den Ländern, Leistungserbringerorganisationen, dem Deutschen Pflegerat, dem Patienten- bzw. Verbraucherschutz und der Pflegekassen vertreten sind.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll noch in dieser Wahlperiode eingeführt werden.

Quelle: Bundesminsiterium für Gesundheit

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Pflegestärkungsgesetz I 2015 https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/pflegestarkungsgesetz-i-2015/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/pflegestarkungsgesetz-i-2015/#comments Sat, 17 Jan 2015 18:36:16 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=363 Durch zwei Pflegestärkungsgesetze will das Bundesgesundheitsministerium in dieser Wahlperiode deutliche Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung umsetzen. Durch das erste Pflegestärkungsgesetz wurden bereits seit dem 1. Januar 2015 die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen spürbar ausgeweitet und die Zahl der zusätzlichen Betreuungskräfte in stationären Pflegeeinrichtungen erhöht. Zudem wurde ein Pflegevorsorgefonds eingerichtet.

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz soll noch in dieser Wahlperiode der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt werden. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken soll dadurch wegfallen. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen. Dadurch wird die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage gestellt (mehr zum zweiten Pflegestärkungsgesetz erfahren Sie hier).

Durch die Pflegestärkungsgesetze werden die Beiträge für die Pflegeversicherung in zwei Schritten um insgesamt 0,5 Beitragssatzpunkte angehoben. Dadurch stehen fünf Milliarden Euro mehr pro Jahr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. 1,2 Milliarden Euro fließen in einen Pflegevorsorgefonds. Insgesamt können die Leistungen aus der Pflegeversicherung um 20 Prozent erhöht werden. Was hat sich am 1. Januar 2015 geändert?

Hier finden Sie die neuen Leistungsverbesserungen seit dem 1. Januar 2015 in Zahlen:

Pflegeleistungen nach Einführung des 1. Pflegestärkungsgesetzes

Flyer

Bundesgesetzblatt

Leistungen ab 01.01.2015

Die zentralen Verbesserungen sind nachfolgend aufgezählt:

Was hat sich am 1. Januar 2015 geändert? Welche Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden erhöht? Was verbessert sich für die Pflege zu Hause? Was wird zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen getan? Was verbessert sich in den stationären Pflegeeinrichtungen? Wie werden neue Wohnformen unterstützt? Was verbessert sich für Demenzkranke? Was verbessert sich für körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige (z. B. nach einem Schlaganfall)? Wozu dient der Pflegevorsorgefonds? Wie werden die Leistungsverbesserungen finanziert?

Welche Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden erhöht?

Alle Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden um 4 Prozent angehoben, um die Preisentwicklung über den gesetzlich vorgegebenen Zeitraum der letzten drei Jahre zu berücksichtigen. Für Leistungen, die erst mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz Ende 2012/Anfang 2013 eingeführt worden sind, wird für einen Zeitraum von zwei Jahren eine Anpassung um 2,67 Prozent vorgenommen. Darüber hinaus werden weitere Leistungsverbesserungen bei der Pflege zu Hause und in Pflegeeinrichtungen umgesetzt.

Was verbessert sich für die Pflege zu Hause?

Die meisten Pflegebedürftigen wünschen sich, so lange wie möglich zu Hause in der vertrauten Umgebung gepflegt zu werden. Mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden auch zu Hause gepflegt, meist durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste. Um die Pflege zu Hause besser zu unterstützen, werden die Leistungen für die häusliche Pflege um rund 1,4 Milliarden Euro erhöht.

Die Leistungen der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege können in Zukunft besser miteinander kombiniert werden. Wer eine Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, z.B. wenn der Pflegeaufwand nach einem Krankenhausaufenthalt so hoch ist, dass für ein paar Wochen die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung nötig wird, kann schon heute seinen Anspruch auf Verhinderungspflege hierfür verwenden. Statt vier Wochen sind bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege pro Jahr möglich, die Pflegekasse übernimmt dafür künftig bis zu 3.224 Euro (bisher bis zu 3.100 Euro). Künftig gilt dies in ähnlicher Weise auch bei der Verhinderungspflege: Wenn der pflegende Angehörige krank ist oder eine Auszeit braucht, wird eine Pflegekraft oder Vertretung benötigt. Diese so genannte Verhinderungspflege soll künftig unter entsprechender Anrechnung auf den Anspruch auf Kurzzeitpflege bis zu sechs Wochen in Anspruch genommen werden können statt bisher bis zu vier. Bisher standen für Verhinderungspflege pro Jahr bis zu 1.550 Euro, künftig stehen bis zu 2.418 Euro jährlich zur Verfügung. So können pflegende Angehörige besser die Unterstützung wählen, die in ihrer konkreten Situation am besten hilft.

Die Leistungen für Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege) werden ausgebaut. Bisher wurden die Inanspruchnahme von Tages-/Nachtpflege und die ambulanten Pflegeleistungen (Pflegegeld und/oder ambulante Sachleistungen) zum Teil aufeinander angerechnet. Das ändert sich: Wer ambulante Sachleistungen und/oder Pflegegeld bekommt, kann künftig Tages- und Nachtpflege daneben ohne Anrechnung voll in Anspruch nehmen. Damit steht deutlich mehr Geld für Betreuung zur Verfügung. Beispiel: Bisher gab es für die Kombination von Tagespflege und ambulanten Pflegesachleistungen in Pflegestufe III bis zu 2.325 Euro. Künftig stehen hierfür bis zu 3.224 Euro monatlich zur Verfügung. Auch Demenzkranke profitieren erstmals von dieser Leistung.

Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote werden gestärkt. Die zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen werden ausgebaut und auf alle Pflegebedürftigen ausgedehnt. Demenzkranke bekommen schon heute bis zu 100 oder 200 Euro/Monat (ab 1.1.2015: bis zu 104 oder 208 Euro/Monat). Künftig werden auch bei rein körperlicher Beeinträchtigung 104 Euro pro Monat von der Pflegekasse erstattet. Damit können Leistungen von Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflege und Betreuungsleistungen durch ambulante Pflegedienste oder nach Landesrecht anerkannte niedrigschwellige Angebote finanziert werden. Es können aber auch anerkannte Haushalts- und Serviceangebote oder Alltagsbegleiter finanziert werden, die bei der hauswirtschaftlichen Versorgung und der Bewältigung sonstiger Alltagsanforderungen im Haushalt helfen. Das können auch Pflegebegleiter der Angehörigen sein, die bei der Organisation und Bewältigung des Pflegealltags helfen. Und auch die Aufwandsentschädigung für einen, nach Landesrecht anerkannten ehrenamtlichen Helfer, kann damit bezahlt werden, der zum Beispiel beim Gang auf den Friedhof begleitet oder beim Behördengang unterstützt. Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote können künftig auch anstelle eines Teils der Pflegesachleistung in Anspruch genommen werden (neue „Umwidmungsmöglichkeit“ in Höhe von bis zu 40 Prozent des jeweiligen ambulanten Pflegesachleistungsbetrags).

Die Zuschüsse für Umbaumaßnahmen und Pflegehilfsmittel werden erhöht. Oft sind es Umbaumaßnahmen wie Rollstuhlrampen, begehbare Duschen oder die Verbreiterung von Türen, die es Pflegebedürftigen ermöglichen, im eigenen Zuhause oder in einer Pflegewohngemeinschaft zu bleiben. Daher werden ab dem 1. Januar 2015 die Zuschüsse hierfür deutlich gesteigert: Von bisher bis zu 2.557 Euro auf zukünftig bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Leben mehrere Pflegebedürftige gemeinsam in einer Wohnung, können sie statt bis zu 10.228 Euro jetzt bis zu 16.000 Euro pro Maßnahme erhalten. Auch die Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln, die im Alltag verbraucht werden, werden deutlich angehoben (von bis zu 31 Euro auf bis zu 40 Euro je Monat).

Was wird zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen getan?

Jede Pflegesituation ist anders. Die pflegenden Angehörige sollen deshalb besser in ihrer konkreten Situation entlastet werden. Die Unterstützungsangebote werden ausgeweitet, und die Leistungen können passgenauer in der konkreten Situation eingesetzt werden. Damit steht auch mehr Geld für Betreuung zur Verfügung. Unterstützungsleistungen wie die Kurzzeit-, Verhinderungs- und Tages- und Nachtpflege, sollen ausgebaut und besser miteinander kombiniert werden können. Zudem können mehr zusätzliche niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote in Anspruch genommen werden und die Zuschüsse für nötige Umbaumaßnahmen und zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel steigen deutlich. Auch die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf soll verbessert werden. Wer kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren muss, etwa nach einem Schlaganfall, kann künftig eine Lohnersatzleistung für eine bis zu zehntägige Auszeit vom Beruf erhalten, vergleichbar dem Kinderkrankengeld. Durch das erste Pflegestärkungsgesetz werden zur Finanzierung dieser Leistung 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Lohnersatzleistung soll in einem separaten Gesetz geregelt werden, das ebenfalls am 1.1.2015 in Kraft treten soll. Was verbessert sich in den stationären Pflegeeinrichtungen?

Mehr zusätzliche Betreuungskräfte in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen. In stationären Pflegeeinrichtungen werden die Leistungen im Umfang von rund 1 Milliarde Euro verbessert. Damit wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Zahl der zusätzlichen Betreuungskräfte von bisher rund 25.000 auf bis zu 45.000 Betreuungskräften erhöht werden kann. Die ergänzenden Betreuungsangebote durch zusätzliche Betreuungskräfte sollen künftig allen Pflegebedürftigen offen stehen, bisher waren sie Pflegebedürftigen mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf (z.B. Demenzkranke) vorbehalten. Das verbessert den Pflegealltag in den voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen. Zudem profitieren die Pflegebedürftigen in Pflegeeinrichtungen natürlich auch von der Erhöhung der Leistungsbeträge aus der Pflegeversicherung.

Wie werden neue Wohnformen unterstützt?

Neue Wohnformen werden besser unterstützt. Der Wohngruppenzuschlag, den Pflegebedürftige aus der Pflegeversicherung erhalten, wenn sie eine Pflegekraft in einer ambulant betreuten Wohngruppe mit mindestens drei Pflegebedürftigen beschäftigen, wird künftig auf 205 Euro pro Monat erhöht. Außerdem gibt es eine Anschubfinanzierung (bis zu 2.500 Euro je Pflegebedürftigen, maximal 10.000 Euro insgesamt je Wohngruppe) für die Gründung einer ambulant betreuten Pflege-Wohngruppe, die künftig einfacher in Anspruch genommen werden kann. Diese Leistungen stehen künftig auch Personen in der so genannten Pflegestufe 0 (insbesondere Demenzkranke) zur Verfügung. Auch der Zuschuss für Umbaumaßnahmen wird deutlich aufgestockt, Wohngruppen können künftig bis zu 16.000 Euro erhalten. Das hilft auch den neuen Wohnformen.

Was verbessert sich für Demenzkranke?

Der Leistungsanspruch von demenziell Erkrankten wird deutlich erweitert. Bislang hatten Menschen, die zwar in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt sind, deren Pflegebedarf aber unterhalb der Pflegestufe I liegt (sogenannte Pflegestufe 0), nur einen eingeschränkten Leistungsanspruch. Dieser wird jetzt maßgeblich erweitert: Künftig können diese Versicherten auch Leistungen der Tages- und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege und den Zuschlag für Mitglieder ambulant betreuter Wohngruppen erhalten. Zudem wird ihnen ermöglicht, die Anschubfinanzierung für ambulant betreute Wohngruppen zu bekommen. Damit erhalten sie jetzt Zugang zu allen Leistungen im ambulanten Bereich, die auch Personen mit einer Pflegestufe zustehen. Das vereinfacht auch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

Was verbessert sich für körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige (z. B. nach einem Schlaganfall)?

Vorwiegend körperlich beeinträchtigte Pflegebedürftige erhalten einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Bislang hatten nur Menschen mit einer auf Dauer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz (also insbesondere an Demenz Erkrankte) einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI. Auch das wird sich jetzt grundlegend ändern: Pflegebedürftige, die stärker körperlich eingeschränkt sind – z. B. nach einem Schlaganfall – erhalten jetzt ebenfalls einen Anspruch auf entsprechende Leistungen. Damit bekommen die Betroffenen nun auch erstmals einen Anspruch auf niedrigschwellige Hilfen, d.h. sie können sich vor Ort ein Angebot suchen, das nach Landesrecht anerkannt ist, und bekommen die Kosten bis zur Höhe von 104 Euro monatlich bzw. 1.248 Euro pro Jahr erstattet. Zudem steht ihnen künftig ebenfalls die – oben bereits angeführte – Möglichkeit zu, zusätzlich maximal 40 % des Anspruchs auf ambulante Sachleistungen für solche niedrigschwelligen Angebote zu verwenden. Wozu dient der Pflegevorsorgefonds?

Mit dem Pflegevorsorgefonds sollen mögliche Beitragssteigerungen in der Zukunft abgefedert werden. Pflege stärken heißt für auch, Pflege nachhaltig zu sichern. Um die Beitragsbelastung künftiger Generationen und der jetzt jüngeren Menschen in den Jahren zu begrenzen, in denen die geburtenstarken Jahrgänge ins „Pflegealter“ kommen, wird ein Pflegevorsorgefonds in Form eines Sondervermögens gebildet, der von der Bundesbank verwaltet wird. In diesen Fonds werden ab 2015 jährlich die Einnahmen aus 0,1 Beitragssatzpunkten (derzeit rd. 1,2 Mrd. Euro) eingezahlt. Ab dem Jahr 2035 kann dann jährlich über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren jeweils bis zu einem Zwanzigstel des angesammelten Kapitals an den Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung abgeführt werden, um so übermäßige Beitragssatzsteigerungen abzufedern.

Wie werden die Leistungsverbesserungen finanziert?

2015 wird der Beitragssatz in einem ersten Schritt um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent und 2,6 Prozent für Kinderlose steigen. Die vorgesehenen Leistungsverbesserungen werden mit den Einnahmen aus 0,2 Prozentpunkten (2,4 Milliarden Euro jährlich) finanziert. Davon fließen 1,4 Milliarden Euro in Verbesserungen für die Pflege zu Hause. 1 Milliarde Euro stehen für Verbesserungen in Pflegeheimen zur Verfügung. 1,2 Milliarden Euro pro Jahr fließen in einen Pflegevorsorgefonds. Dadurch sollen mögliche Beitragssteigerungen abgefedert werden, wenn ab 2034 die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen.

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz werden die Beiträge zur Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Durch diese beiden Beitragssatzerhöhungen stehen insgesamt fast fünf Milliarden Euro mehr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. Die Leistungen der Pflegeversicherung können dadurch um etwa 20 Prozent ausgeweitet werden.

Quelle Bundesminsiterium für Gesundheit

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Klarstellungen und Infos zum Pflegeunterstützungsgeld https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/klarstellungen-und-infos-zum-pflegeunterstutzungsgeld/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/klarstellungen-und-infos-zum-pflegeunterstutzungsgeld/#comments Fri, 16 Jan 2015 16:24:14 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=361 Einige Klarstellungen und Infos zum Pflegeunterstützungsgeld – Quelle GKV-SV Rundschreibens Nr. 573/2014:

Erstmalig ab 01.01.2015 haben Beschäftigte, die eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung nach § 2 PflegeZG für die Dauer von bis zu 10 Arbeits­tagen in Anspruch nehmen, für diesen Zeitraum einen Anspruch auf Ausgleich für entgan­genes Arbeits­entgelt gegenüber der Pflege­kasse des Pflege­be­dürf­tigen, in Form des *Pflegeunterstützungsgeldes* .

Die kurzzeitige Freistellung von der Arbeit muss erfor­derlich sein, um für einen pflege­be­dürf­tigen nahen Angehö­rigen in einer akut aufge­tre­tenen Pflege­si­tuation eine bedarfs­ge­rechte Pflege zu organi­sieren oder eine pflege­rische Versorgung in dieser Zeit sicher­zu­stellen.

Mit dieser Prämisse ist der Anspruch auf Akuter­eig­nisse begrenzt (z. B. die Organi­sation der pflege­ri­schen Anschluss­ver­sorgung nach einem Kranken­haus­auf­enthalt, bei akut einge­tre­tener Pflege­be­dürf­tigkeit oder plötz­lichen Verschlim­merung einer bereits beste­henden Pflege­ be­dürf­tigkeit).

Die Pflege­si­tuation ist also nur akut, wenn sie plötzlich, also unerwartet und unver­mittelt aufge­treten ist. Regelhaft wird dies zu Beginn einer Pflege­be­dürf­tigkeit und damit einmalig je Pflege­be­dürf­tigem eintreten.

Wird der Anspruch auf kurzfristige Arbeits­frei­stellung von mehreren Beschäf­tigten für einen pflege­be­dürf­tigen nahen Angehö­rigen geltend gemacht, ist deren Anspruch auf Pflege­un­ter­stüt­zungsgeld auf insgesamt bis zu 10 Arbeits­tagen begrenzt. Als Arbeitstag wird der Tag gezählt, an dem der Beschäftigte tatsächlich hätte arbeiten müssen.

Dies bedeutet aller­dings nicht, dass wenn einTeilzeit­be­schäf­tigter z. B. nur an insgesamt 2 Tagen in der Woche arbeitet, eine Freistellung von der Arbeit für 5 Wochen erfolgen kann. Grund­sätzlich geht man bei 10 Arbeits­tagen von einem Zeitraum von 2 Wochen aus. Dies gilt auch für Teilzeit­be­schäf­tigte.

Der Freistel­lungs­an­spruch kann sich nur auf so viele Arbeitstage erstrecken, wie innerhalb eines Zeitraums von 2 Wochen tatsächlich Arbeitstage anfallen.

* Anspruchsberechtigte Anspruchs­be­rechtigt sind Beschäf­tigte i. S. d. § 7 Abs. 1 PflegeZG. Ergänzung: Auch Rentner, die eine Beschäf­tigung ausüben, haben einen Anspruch auf Pflege­un­ter­stüt­zungsgeld, wenn sie während der Arbeits­ver­hin­derung einen Verlust an Arbeits­entgelt haben.

Für Selbst­ständige, Beamte sowie Bezieher von Leistungen nach SGB II und SGB III, die keine Beschäf­tigung gegen Arbeits­entgelt ausüben, besteht kein Anspruch auf Pflege­un­ter­stüt­zungsgeld.

Nahe und damit anspruchsberechtigte Angehörige sind

Großeltern, Eltern, Schwiegereltern, Stiefeltern, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen oder lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Schwägerinnen und Schwäger, Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder, die Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwiegerkinder und Enkelkinder.

Diese Ausführungen vom GKV SV beziehen sich auf § 44a SGB XI – Rechtsanspruch auf Pflegeunterstützungsgeld

Pflegeunterstützunggeld

§ 44 SGB XI

SGB XI

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Famili­en­pfle­ge­zeit­gesetz (FPfZG) https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/famili%c2%aden%c2%adpfle%c2%adge%c2%adzeit%c2%adgesetz/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/famili%c2%aden%c2%adpfle%c2%adge%c2%adzeit%c2%adgesetz/#comments Fri, 16 Jan 2015 16:17:24 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=353 Famili­en­pfle­ge­zeit­gesetz (FPfZG) 

Beschäf­tigte haben einen Rechts­an­spruch auf eine teilweise Freistellung von der Arbeits­leistung für längstens 24 Monate, wenn sie eine/n pflege­be­dürftige/n nahe/n Angehörige/n in häuslicher Umgebung pflegen. Während dieser Famili­en­pfle­gezeit muss die verrin­gerte Arbeitszeit wöchentlich mindestens 15 Stunden betragen. Der Verdienst­ausfall kann mit einem zinslosen Darlehen vom Staat kompen­siert werden. Das zinslose Darlehen gewährt auf Antrag das Bundesamt für Familie und zivil­ge­sell­schaft­liche Aufgaben. Der Rechts­an­spruch für die Famili­en­pfle­gezeit besteht nur für Beschäf­tigte in Betrieben mit mehr als 25 Beschäf­tigten, ohne zu ihrer Berufs­bildung Beschäf­tigte. Für jede/n pflege­be­dürftige/n nahe/n Angehörige/n kann nur einmal Famili­en­pfle­gezeit in Anspruch genommen werden. 

Der Rechts­an­spruch auf Famili­en­pfle­gezeit für Beschäf­tigte mit einer teilweisen Freistellung von der Arbeits­leistung besteht ebenfalls, wenn sie eine/n minder­jährige/n pflege­be­dürftige/n nahe/n Angehörige/n in häuslicher oder außer­häus­licher Umgebung betreuen. Hierunter ist die Begleitung  eines Kindes während eines sehr langen Kranken­haus­auf­ent­haltes oder in einer außer­häus­lichen Einrichtung zu verstehen. Das Kind muss bereits pflege­be­dürftig im Sinne des § 14 SGB XI bzw. § 15 SGB XI sein. Bei einem wechselnden Krank­heits- oder Pflege­verlauf von pflege­be­dürf­tigen minder­jäh­rigen nahen Angehö­rigen ist ein Wechsel zwischen der häuslichen Pflege und der außer­häus­lichen Betreuung jederzeit möglich, ohne dass z. B. den Eltern die Möglichkeit genommen wird, eine Freistellung für die Gesamt­dauer von 24 Monaten für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen. Eine besondere Ankün­di­gungs­frist gibt es nicht für einen Wechsel der Betreu­ungsart. Die Beschäf­tigten müssen die Pflege­be­dürf­tigkeit der/des nahen Angehö­rigen durch Vorlage einer Beschei­nigung der Pflege­kasse oder des medizi­ni­schen Dienstes der Kranken­ver­si­cherung nachweisen. Gegenüber dem Arbeit­geber muss schriftlich acht Wochen vor dem gewünschten Beginn Zeitraum und Umfang der Freistellung von der Arbeits­leitung mitge­teilt werden.

Familienpflegezeitgesetz

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Pflege­zeit­gesetz (PflegeZG) https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/pflege%c2%adzeit%c2%adgesetz/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/pflege%c2%adzeit%c2%adgesetz/#comments Fri, 16 Jan 2015 16:13:58 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=351 Pflege­zeit­gesetz (PflegeZG)

Es besteht für Beschäf­tigte ein Rechts­an­spruch auf pflege­be­dingte teilweise Freistellung nach dem Pflege­zeit­gesetz für weniger als sechs Monate, wenn es sich um eine/n pflege­be­dürftige/n nahe/n Angehörige/n handelt. Der Verdienst­ausfall kann mit einem zinslosen Darlehen vom Staat kompen­siert werden. Das zinslose Darlehen gewährt auf Antrag das Bundesamt für Familie und zivil­ge­sell­schaft­liche Aufgaben. Der Rechts­an­spruch für die Pflegezeit besteht nur für Beschäf­tigte in Betrieben mit mehr als 15 Beschäf­tigten.

Beschäf­tigte sind von der Arbeits­leitung vollständig oder teilweise freizu­stellen, wenn sie eine/n minder­jährige/n pflege­be­dürftige/n nahe/n Angehörige/n in häuslicher oder außer­häus­licher Umgebung betreuen. Auch zur Begleitung einer/eines nahen Angehö­rigen sind Beschäf­tigte für eine Höchst­dauer von drei Monaten je naher/nahem Angehö­rigen vollständig oder teilweise freizu­stellen, wenn dieser an einer Erkrankung leidet, die progre­dient (fortge­schritten) verläuft und bereits ein weit fortge­schrit­tenes Stadium erreicht hat, bei der eine Heilung ausge­schlossen ist und eine pallia­tiv­me­di­zi­nische Versorgung notwendig ist und eine begrenzte Lebens­er­wartung von Wochen oder wenigen Monaten erwarten lässt.

Das Freistel­lungs­er­suchen kann sich sowohl auf das PflegeZG als auch auf das FPfZG beziehen. Wird zunächst Pflegezeit in Anspruch genommen, kann sich der Anspruch auf Famili­en­pfle­gezeit anschließen. Die Gesamt­dauer von 24 Monaten darf hierbei nicht überschritten werden. Enthält die Ankün­digung der/des Beschäf­tigten keine eindeutige Festlegung und liegen die Voraus­set­zungen beider Freistel­lun­gan­sprüche vor, gilt die Erklärung als Ankün­digung von Pflegezeit. Eine zeitliche Unter­bre­chung zwischen Pflegezeit und Famili­en­pfle­gezeit ist nicht zulässig.

Pflegezeitgesetz

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Orientierungswerte zur Bemessung des zeitlichen Aufwands https://www.derpflegeprofi.de/leistungsarten/definitionen/orientierungswerte-zur-bemessung-des-zeitlichen-aufwands/ https://www.derpflegeprofi.de/leistungsarten/definitionen/orientierungswerte-zur-bemessung-des-zeitlichen-aufwands/#comments Wed, 23 Apr 2014 04:00:12 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=311 Die Begutachtung ist die Prüfung, ob die Voraussetzungen für eine Einstufung in eine Pflegestufe erfüllt sind, so wie sie im § 14 SGB XI genannt werden.

Kern der Begutachtung ist die Frage welcher Zeitaufwand für die Unterstützung benötigt wird. In der ersten Zeit nach Einführung der Pflegeversicherung (1995/1997) konnte festgestellt werden, dass es in ähnlich gelagerten Fällen zu unterschiedliche Einstufungen gekommen ist.

Daher wurden für die 13 häufigsten Verrichtungen der Grundpflege deshalb Zeitkorridore entwickelt. Für das Baden werden zum Beispiel 20 bis 25 Minuten als angemessen erachtet, für die Zahnpflege 5 Minuten. Im Rahmen dieser Zeiten sollen Laienpflegekräfte in der Lage sein, die vollständige Übernahme einer pflegerischen Handlung durchzuführen (BRi, Seite 113).

Diese Zeitkorridore wurden in die „Richtlinien zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches“ (BRi) aufgenommen und sind damit für alle an der Begutachtung beteiligten Personen verbindlich. Abweichungen müssen begründet werden, zum Beispiel weil die pflegeerschwerenden und pflegeerleichternden Faktoren erfüllt werden.

„Für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einer Pflegestufe ist allein der im Einzelfall bestehende individuelle Hilfebedarf des Antragstellers maßgeblich. In so fern können und sollen die Zeitorientierungswerte für die Begutachtung nach dem SGB XI nur Anhaltsgrößen im Sinne eines Orientierungsrahmens liefern. Sie sind damit für den Gutachter ein Instrument zur Feststellung des individuellen Hilfebedarfs.“ (BRi, Seite 111)

Unter Umständen ist es sinnvoll ein Pflegetagebuch zu führen.

Für die Erfassung des Hilfebedarfs werden nur wenige Tätigkeiten berücksichtigt. Sie werden in vier Bereiche gegliedert:

Körperpflege Ernährung Mobilität Hauswirtschaft Grundpflege

Zur Grundpflege im Sinne der Pflegeversicherung gehört

– im Bereich der Körperpflege

Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- oder Blasenentleerung – im Bereich der Ernährung das mundgerechte zubereiten der Nahrung, die Aufnahme der Nahrung – im Bereich der Mobilität Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung

Vergleiche: § 14 SGB XI

Für die hauswirtschaftlichen Hilfen wurden keine Zeitkorridore entwickelt. Für die Einstufung wird in der Regel die Zeit pauschal anerkannt, die maximal angerechnet werden kann.

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Pflegeaufwand einfußnehmende Faktoren https://www.derpflegeprofi.de/leistungsarten/definitionen/pflegeaufwand-einfussnehmende-faktoren/ https://www.derpflegeprofi.de/leistungsarten/definitionen/pflegeaufwand-einfussnehmende-faktoren/#comments Tue, 22 Apr 2014 04:00:11 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=306 Für die Einstufung in eine Pflegestufe werden die Verrichtungen, bei denen die pflegebedürftige Person Hilfe benötigt, mit Minuten versehen, die anschließend addiert werden.

Die Minuten sind als Zeitkorridore in der Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches definiert. Die Zeitkorridore, die bei der Begutachtung angesetzt werden, finden Sie ab Seite 113

Die nachfolgend aufgeführten Faktoren können die Durchführung der Pflege beeinflußen. Und zwar sowohl im Sinne der positiven als auch der negativen Bewertung des zeitlichen Aufwands.

Diese Faktoren erschweren bzw. verlängern den Zeitaufwand für gesetzlich definierten Verrichtungen:

• Körpergewicht über 80 kg • Kontrakturen/Einsteifung großer Gelenke bzw. Fehlstellungen der Extremitäten • hochgradige Spastik, z. B. bei Hemiplegien und Paraparesen • einschießende unkontrollierte Bewegungen • eingeschränkte Belastbarkeit infolge schwerer kardiopulmonaler Dekompensation mit Orthopnoe und ausgeprägter zentraler und peripherer Zyanose sowie peripheren Oedemen • Erforderlichkeit der mechanischen Harnlösung oder der digitalen Enddarmentleerung • Schluckstörungen bzw. Störungen der Mundmotorik, Atemstörungen • Abwehrverhalten/fehlende Kooperation mit Behinderung der Übernahme (zum Beispiel bei geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen) • stark eingeschränkte Sinneswahrnehmung (Hören, Sehen) • starke therapieresistente Schmerzen • pflegebehindernde räumliche Verhältnisse • zeitaufwendiger Hilfsmitteleinsatz (z. B. bei fahrbaren Liftern oder Decken-, Wand-Liftern)

• Verrichtungsbezogene krankheitsspezifische Pflegemaßnahmen die aus medizinisch-pflegerischen Gründen regelmäßig und auf Dauer o untrennbarer Bestandteil der Hilfe bei den in § 14 Abs. 4 SGB XI genannten Verrichtungen der Grundpflege sind oder o objektiv notwendig im unmittelbaren zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit diesen Verrichtungen vorgenommen werden müssen. Ausgangspunkt für die Bewertung verrichtungsbezogener krankheitsspezifischer Pflegemaßnahmen ist der Hilfebedarf bei der jeweiligen Verrichtung der Grundpflege nach § 14 Abs. 4 SGB XI. Verrichtungsbezogene krankheitsspezifische Pflegemaßnahmen stellen für sich allein gesehen keine Verrichtungen des täglichen Lebens dar und können deshalb nur dann berücksichtigt werden, wenn sie bei bestehendem Hilfebedarf bei den Verrichtungen der Grundpflege nach § 14 Abs. 4 SGB XI zusätzlich notwendig sind.

Der Zeitaufwand für die Grundpflege einschließlich verrichtungsbezogener krankheitsspezifischer Pflegemaßnahmen ist als Summenwert für die jeweiligen Verrichtungen darzustellen.

Diese Faktoren reduzieren den Zeitaufwand für gesetzlich definierten Verrichtungen:

• pflegeerleichternde räumliche Verhältnisse, zum Beispiel durch behinderten- oder pflegegerechten Umbau des Hauses bzw. der Wohnung. • Einsatz von Hilfsmitteln

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Startschuss für die Erprobung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/startschuss-fur-die-erprobung-des-neuen-pflegebedurftigkeitsbegriffs/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/politik-und-reformen/startschuss-fur-die-erprobung-des-neuen-pflegebedurftigkeitsbegriffs/#comments Wed, 09 Apr 2014 02:06:06 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=302 Im Rahmen des heutigen Pressetermins im Bundesministerium für Gesundheit zum Start der Erprobungsphase zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff erklärte Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes:

„Jahr für Jahr stellt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bei über 1,5 Millionen Menschen den Pflegebedarf im Sinne der Pflegeversicherung fest. Dabei darf die große Anzahl an Begutachtungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich in jedem einzelnen Fall um ein individuelles Schicksal handelt. Deshalb gilt: Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs muss solide und verantwortungsvoll erprobt werden. Mit den beiden jetzt beginnenden Studien geschieht dies. Damit wird der erste Schritt auf dem Weg zur praktischen Einführung und damit zur spürbaren Leistungsverbesserung gemacht. Das ist ebenso richtig wie dringend notwendig.

Mit der „Praktikabilitätsstudie zur Einführung des neuen Begutachtungsassessments zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI“ sollen eventuelle Probleme bei der Begutachtung frühzeitig aufgedeckt werden. Wir wollen, dass Missverständnisse oder Schwächen rechtzeitig aufgezeigt werden, damit gegebenenfalls notwendige Änderungen und Anpassungen bereits vor der flächendeckenden Einführung des Instruments vorgenommen werden können. Diese Studie wird vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes in Essen unter Beteiligung der Hochschule für Gesundheit in Bochum (Prof. Reif) durchgeführt werden. Die Stichprobe im Projekt umfasst insgesamt 2000 pflegebedürftige Menschen in ganz Deutschland, bei denen eine Begutachtung nach dem neuen und dem derzeit gültigen Verfahren durchgeführt wird. Alle MDKs in Deutschland beteiligen sich an dem Projekt, das im Dezember 2014 abgeschlossen sein wird.

Parallel dazu wird Prof. Heinz Rothgang von der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit den Medizinischen Diensten der Krankenversicherung bundesweit in rund 40 Pflegeheimen bei knapp 2.000 Personen erfassen, welche Leistungen sie heute bekommen. Ziel dieses im Januar 2015 abgeschlossenen Vorhabens „Evaluation des NBA – Erfassung von Versorgungsaufwendungen in stationären Einrichtungen“ ist die Schaffung einer soliden und aktuellen empirischen Grundlage, um daraus die künftigen Leistungshöhen je Pflegegrad in Abhängigkeit vom Pflegeaufwand zu ermitteln.

Begleitet wird die Arbeit an diesen beiden Studien durch das neue Begleitgremium, in dem neben Vertretern des BMG, des BMSFJ sowie des Pflegebeauftragten Herrn Laumann und dem GKV-Spitzenverband weitere Institutionen aus Wissenschaft, den Ländern, Leistungserbringerorganisationen, dem Deutschen Pflegerat und der Pflegekassen vertreten sind.

Ich bin sehr froh über den politischen Rückenwind, den das große Vorhaben der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs derzeit bekommt. Denn nur, wenn die Politik entschlossen vorwärts geht und die notwendigen politischen Entscheidungen trifft, kann die Pflegeversicherung grundlegend und systematisch weiterentwickelt werden. Es ist gut, dass wir nun den Schritt von den reinen Vorarbeiten hin zu den konkreten Umsetzungsarbeiten gemacht haben.

Zur Ergänzung halten wir es noch für notwendig, auch die Versorgungsaufwände in der ambulanten Pflege zu ermitteln. Sicherlich lassen sich viele Erkenntnisse aus der Studie von Prof. Rothgang aus der stationären Pflege auf die ambulante Pflege übertragen. Sicher ist aber auch, dass wir die Besonderheiten der häuslichen Pflege berücksichtigen müssen. Damit sichergestellt ist, dass die besseren Leistungen, die es mit der Pflegereform geben soll, auch im ambulanten Bereich zielgenau bei den Menschen ankommen, die zu Hause gepflegt werden, ist eine ergänzende Studie notwendig, die den ambulanten Bereich in den Blick nimmt. Dazu würde eine kleinere Studie mit einer Stichprobe von ca. 500 Pflegebedürftigen reichen. Wir werden das auf der ersten Sitzung des neuen Begleitgremiums im Mai vorschlagen. Wir stehen in den Startlöchern, die praktische Umsetzung kurzfristig anzustoßen.

Gelegentlich hört man in der pflegepolitischen Diskussion die Forderung, dass es nun genug sei mit vorbereitenden Arbeiten, dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff endlich eingeführt werden müsste. Lassen Sie mich eines ganz deutlich sagen: Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs hat jetzt begonnen. Die nun gestartete Erprobung ist ein notwendiger Bestandteil der Einführung, um Ungerechtigkeiten und Fehler so weit wie möglich zu vermeiden.“

Quelle: GKV-Spitzenverband

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Planungen der Bundesregierung https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/planungen-der-bundesregierung/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/planungen-der-bundesregierung/#comments Wed, 02 Apr 2014 04:06:32 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=299 Die Bundesregierung plant die Pflegepflichtversicherung in dieser Legislaturperiode umfassend zu verändern.

Die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages zu diesem Thema sind sehr weitreichend.

Nun werden die ersten Maßnahmen diskutiert.

Eine sehr schöne Zusammenfassung habe ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 28.03.2014 gefunden:

Koalition erwägt deutlich höhere Pflege-Leistungen

Thorulf Müller derKVProfi – derPflegeProfi VersSulting UG (haftungsbeschränkt) Versicherungsberater § 34 e GewO

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Bedarfsermittlung Pflege https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/bedarfsermittlung/bedarfsermittlung-pflege/ https://www.derpflegeprofi.de/allgemein/bedarfsermittlung/bedarfsermittlung-pflege/#comments Mon, 31 Mar 2014 11:42:35 +0000 https://derpflegeprofi.de/?p=290 Vorweg sei gesagt, dass mich die meisten Ansätze zur Bedarfsermittlung in der pflegezusatzversicherung schockieren. Was ich da in der Presse lesen muss, ist teilweise unerträglich

Es kann nicht Ziel einer bedarfsgerechten Vermittlung sein, für einen ausgewählten Fall überhöht Absicherung zu vermitteln, nur um hohe Beiträge und damit hohe Provisionen zu erwirtschaften. Es muss darum gehen, die grundsätzliche Versorgung vernünftig darzustellen und Extremsituationen zusätzlich zur Grundversorgung (Alter/Arbeitskraft) zu ergänzen.

Die unterschiedlichen Zielgruppen

Grundsätzlich ist natürlich die Bedarfssituation anhand der persönlichen Situation zu ermitteln.

Personen, die alleinstehend sind und auch dauerhaft bleiben, benötigen auasschließlich Absicherung für den Fall der Unterbringung in einem Heim.

Anders verhält es sich bei Personen, die als Familie leben und bei denen sowohl die häusliche Pflege durch Familienangehörige, durch ambulante Pflegedienste, als auch die Heimunterbrinung nur einer Person zu bedenken ist.

Stehen Kinder als Pflegepersonen zur Verfügung und sind diese auch bereit die Pflege zu leisten?

Eine berufstätige Person benötigt erst einmal eine Absicherung der Arbeitskraft, die durch Pflegegeld sinnvoll ergänzt werden muss. Hierbei könnten auch Produkte berücksichtigt werden, die bei Pflegebedürftigkeit eine lebenslange Leistung vorsehen, insbesondere dann, wenn die Altersversorgung noch nicht aufgebaut oder nicht ausreichend abgesichert ist.

Bei einer jungen oder sich gerade gründenden Familie wird die Pflegegeldversicherung insbesondere dafür benötigt, dass Kinder, die erst noch geboren werden, über die Kindernachversicherung ab Geburt versichert werden können.

Personen, die vermögend sind, benötigen ein Erbenschutzprogramm, dass wieder ganz andere Ansprüche an die Bedarfsermittlung stellt.

Berücksichtigen muss man auch immer die individuelle Situation der zu versichernden Person. Wie lange haben die Eltern bzw. Großeltern gelebt? Welche gesundheitlichen Probleme sind in der Familie bekannt. Wie sind die gesundheitlichen Verhältnisse der zu versichernden Person? Raucher oder Nichtraucher? Beruf?

Sachleistung versus Geldleistung

Die Pflegeversicherung unterscheidet zwischen Sach- und Geldleistungen

Sachleistung

Von Sachleistung wird gesprochen, wenn Geld gegen Kostennachweis ausgezahlt wird.

Bei der ambulanter Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst bzw. bei stationärer Pflege wird eine Sachleistung erbracht, die durch die im SGB XI (bei PKV-Versicherten Personen in den MB/PPV) genannten Beträge maximiert ist.

Das ist oft verwirrend dargestellt, weil die Leistung der Pflegepflichtversicherung ja in Euro ausgewiesen wird.

Geldleistung

Von Geldleistung wird gesprochen, wenn Geld zur freien Verfügung ohne Kostennachweis ausgezahlt wird. Das ist der Fall wenn Familienangehörige die Pflegeleistung erbringen.

Kombinationsleistung

Grundsätzlich ist eine Kombination aus Sach- und Pflegeleistung möglich.

Das bedeutet, dass ein Teil des Pflegeaufwandes von ambulanten Pflegediensten erbracht wird, ein anderer Teil von Familienangehörigen.

Rechenbeispiel: Kombinationleistung aus Geld- und Sachleistungen

Ein Pflegebedürftiger der Pflegestufe I nimmt Sachleistungen durch einen Pflegedienst im Wert von 225 Euro in Anspruch. Der ihm zustehende Höchstbetrag beläuft sich auf 450 Euro. Er hat somit die Sachleistungen zu 50 Prozent ausgeschöpft. Vom Pflegegeld in Höhe von 235 Euro stehen ihm noch 50 Prozent zu, also 117,50 Euro.

Quelle: BMG

Die Kosten und der Bedarf

In Pflegestufe 0, also der eingeschränkten Alltagskompetenz, sollten Kosten in Höhe von ca. 500 Euro monatlich bei der Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst abgesichert werden. Bei Versorgung durch Familienangehörige reichen 300 Euro aus.

Die Pflegepflichtversicherung leistet 120 Euro als Geldleistung bzw. 225 Euro als Sachleistung, die in diesem Fall zusätzlich zur Verfügung stehen würden.

Die Deckungslücke wäre mit 300 Euro monatlichem Pflegegeld gedeckt. Mit 600 Euro wäre man aber komfortabel aufgestellt.

Im Einzelfall können die o.g. Kosten auch eher knapp kalkuliert sein.

In Pflegestufe 1 liegen die Kosten je nach Pflegeaufwand bei 1.300 bis 2.100 Euro monatlich wenn ein Pflegedienst pflegen würden. Bei Pflege durch Familienangehörige zwischen 450 und 900 Euro.

Die Pflegepflichtversicherung leistet 235 (305) als Geldleistung bzw. 450 (665) Euro als Sachleistung. In Klammern Pflegestufe 1 und gleichzeitiger Einschränkung der Alltagskompetenz.

Ein monatliches Pflegegeld sollte zwischen 450 und 750 Euro abgesichert werden.

Ist der Pflegeaufwand wirklich so hoch, dass die Kosten für den Pflegedienst über 1.800 Euro monatlich liegen, wäre zu überlegen, ob eine Unterbringung in einem Pflegeheim nicht kostengünstiger ist.

Dabei ist aber zu bedenken, dass es die Sachleistung in Höhe von 450 (655) Euro statt der Sachleistung in Höhe von 1.023 Euro erbracht wird, wenn die vollstationärer Pflege nicht notwendig ist.

Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Pflegerichtlinie.

Zitat: Vollstationäre Pflege kann insbesondere erforderlich sein bei

• Fehlen einer Pflegeperson, • fehlender Pflegebereitschaft möglicher Pflegepersonen, • drohender oder bereits eingetretener Überforderung von Pflegepersonen, • drohender oder bereits eingetretener Verwahrlosung des Pflegebedürftigen, • Selbst- oder Fremdgefährdungstendenzen des Pflegebedürftigen, • räumlichen Gegebenheiten im häuslichen Bereich, die keine häusliche Pflege ermöglichen und durch Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes (§ 40 Abs. 4 SGB XI) nicht verbessert werden können. Das Kriterium des Fehlens einer Pflegeperson bzw. der fehlenden Pflegebereitschaft möglicher Pflegepersonen sollte erst dann als erfüllt betrachtet werden.

Eine Überforderung von Pflegepersonen entsteht aus unterschiedlichen Gründen, wie z. B.: • Die Pflegepersonen sind selbst betagt oder gesundheitlich beeinträchtigt. • Die Entfernung zwischen dem Wohn- und Pflegeort ist zu groß. • Die psychische Belastung, die durch eine Pflegesituation entsteht, wird individuell unter schiedlich verarbeitet. So kann bereits bei geringem Pflegeaufwand eine Überforderungssituation entstehen.

Droht ein pflegerisches Defizit durch Überforderung der Pflegeperson, so gilt das Kriterium als erfüllt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine absehbar zeitlich befristete Überforderungssituation der Pflegeperson unter Umständen durch Kurzzeitpflege oder teilstationäre Pflege des Pflegebedürftigen behoben werden kann.

In Pflegestufe 2 liegen die Kosten je nach Pflegeaufwand bei 1.500 bis 2.700 Euro monatlich wenn ein Pflegedienst pflegen würden. Bei Pflege durch Familienangehörige zwischen 750 und 1.200 Euro.

Die Pflegepflichtversicherung leistet 440 (525) als Geldleistung bzw. 1.100 (1.250) Euro als Sachleistung. In Klammern Pflegestufe 2 und gleichzeitiger Einschränkung der Alltagskompetenz.

Ein monatliches Pflegegeld sollte zwischen 600 und 1.200 Euro abgesichert werden.

Ist der Pflegeaufwand wirklich so hoch, dass die Kosten für den Pflegedienst über 2.100 Euro monatlich liegen, wäre zu überlegen, ob eine Unterbringung in einem Pflegeheim nicht kostengünstiger ist.

Dabei ist aber zu bedenken, dass es die Sachleistung in Höhe von 1.100 (1.250) Euro statt der Sachleistung in Höhe von 1.279 Euro erbracht wird, wenn die vollstationärer Pflege nicht notwendig ist.

Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Pflegerichtlinie (s.o. Pflegestufe 1).

In Pflegestufe 3 wäre die Bedarfsermittlung einer häuslichen Pflege durch ambulante Pflegedienste unter Berücksichtigung der Leistung aus der Pflegepflichtversicherung eigentlich nicht sinnvoll. Im Vergleich zu den Kosten einer vollstationären Pflege sind die belastungen erheblich. Dennoch gibt es solche Fälle in Deutschland. Insbesondere in den Fällen, in denen Kinder pflegebedürftig sind, wollen die Eltern die Kindern oft nicht in ein Pflegeheim geben. Hinzu kommt, dass es nur wenige auf die Pflege von pflegebedürftigen Kindern spezialisierte Einrichtungen gibt.

Die Geldleistung in Pflegestufe 3 beträgt 700 Euro. Die Sachleistung 1.550 Euro bzw. bei einem Härtefall 1.918 Euro. Bei der Sachleistung ist es unerheblich, ob die Pflege ambulant durch Pflegedienste oder vollstationär erfolgt.

Die Kosten einer ambulanten Pflege durch Familienangehörige wird mit 1.200 bis 1.400 Euro, durch einen ambulanten Pfflegedienst mit 2.700 bis 3.300 Euro veranschlagt.

Die Kosten einer Unterbringung im Pflegeheim, und bei Pflegestufe 3 ist die medizinische Notwendigkeit einer vollstationären Unterbringung in einem Pflegeheim immer gegeben, liegt zwischen 2.600 und 4.000 Euro je nach Lage, Ausstattung und Aufwand.

Etwaige Wahlleistungen, wie z. B. Essenservice oder Einbettzimmer, oder Taschengeld für private Bersorgungen, Kosmetik oder Sanitätartikel, sind hier noch nicht berücksichtigt.

Auch spezielle Pflegeformen, wie Wachkoma bzw. spezielle Härtefällen, sind für diese Beträge unter Umständen nicht zu bekommen. Tabelle Pflegekosten/Pflegeleistung/Versorgungslücke nach Pflegeversicherung/Versorgungslücke nach Pflegepflicht und Altersversorung bei Annahme 1.000 Euro

Achtung: die Anleitung, insbesondere die Tabelle, sollten als reine Basisabsicherung für einen durchschnittlichen Fall und Anspruch betrachtet werden. Sie ersetzt in keinem Fall eine individuelle Beratung.

Fazit

Die ideale Basisabsicherung beträgt (1.000 Euro Altersversorgung, einfache Ansprüche, normaler Fall vorausgesetzt):

1500 Euro Pflegegeld in Pflegestufe III

Pflegestufe 0 20% ambulant und stationär Pflegestufe 1 60% ambulant und stationär Pflegestufe 2 60% ambulant und stationär Pflegestufe 3 100% ambulant und stationär

31.03.2014

Thorulf Müller derKVProfi

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